Mein Bauchgefühl und ich …

Mein Bauchgefühl und ich – ja, das ist immer so eine Sache. Mein Bauch ist ein sehr empfindsames Organ, ich spüre jedes Ziepen, jedes Zipperlein. Meine ganzen Emotionen gehen über den Bauch. Habe ich Sorgen und Kummer, schlägt mir das gleich auf den Magen, mir ist speiübel und ich kann nichts mehr essen. Der Bauch ist definitiv meine Schwachstelle. Aber auch meine Stärke, wie ich finde.

Als ich Anfang des Jahres während meiner zweiten Schwangerschaft in der 7. Woche – genau wie in der ersten SSW – wieder Blutungen bekam, wusste ich, dass es wieder vorbei war. Mein ganzer Körper hat mit mir gesprochen, die leichte Übelkeit und die Abneigung gegen Süßes empfand ich nicht unbedingt als lästig, sondern es war für mich ein Zeichen, dass es dieses Mal besser war als bei der ersten SS. Denn damals, das ist nun über drei Jahre her, hatte ich keinerlei Anzeichen – außer eine ausbleibende Blutung. Daher stand diese SS unter keinem guten Stern. Ganz im Gegensatz zur zweiten, die sich mit richtigen Schmerzen und Spannen in der Brust, Ziehen im Unterbauch, Müdigkeit und eben der Übelkeit bemerkbar machte.

So schön wie es war, den positiven Test in der Hand gehalten zu haben, den Bauch zu streicheln und mit meinem Schatz schon über Namen nachzudenken, all das hatte immer unterbewusst einen Schatten – ich spürte da etwas. In der 6. SSW wachte ich eines Morgens schweißgebadet auf, weil ich von einer Fehlgeburt geträumt hatte. Das ging mir auch immer wieder durch den Kopf und ließ mich nicht mehr los.

In der 7. SSW dann, nach einem Wochenende, was für mich tierisch anstrengend war, weil ein unausweichlicher Familienbesuch auf dem Programm stand, arbeitete ich montags, kam total erschöpft nach Hause und konnte vor Übererschöpfung (vielleicht kennt ihr das???) kaum schlafen und war am nächsten Tag, einem Dienstag, wie gerädert und noch erschöpfter. Ich arbeitete trotzdem, wollte Mittag machen und ging zur Toilette. Rosa Blut. Ich geriet in Panik. Meine Brüste spannten nicht mehr, ich beschreibe das Gefühl immer mit „als wäre die Luft aus einem Luftballon komplett entwichen“. Es war nichts mehr da, keine leichte Übelkeit, kein weiteres Schwangerschaftsgefühl – nichts. Schon in der Toilette wusste ich: Es ist vorbei. Eine gute Arbeitskollegin und auch Freundin kam zum Glück um die Ecke, ich war natürlich völlig aufgelöst. Aber ich bin ihr heute noch so dankbar, dass sie mich in die Arme nahm. Wenn ich jetzt noch an den Moment denke, als wir gemeinsam in einem Abstellraum geweint haben, das war ein ganz vertrauter Moment unserer Freundschaft und im Nachhinein betrachtet ein ganz tolles Zeichen, zu wissen, dass sie für mich da ist, was ich vorher nie gespürt hatte bzw. von ihr erwartet hatte, da sie keine enge Freundin ist. Aber das war sehr, sehr berührend und treibt mir jetzt noch die Tränen in die Augen.

Natürlich wollte sie mir Mut zusprechen und meinte, wie ich mir denn sicher sein kann, dass es wieder vorbei ist. Aber ich wusste es ganz ganz tief in meinem Herzen.

Als mein Mann und ich dann 2 Stunden später bei der Frauenärztin waren, die völlig optimistisch war, da das Herzchen schlage und kein ersichtlicher Grund für die Blutung vorliege, beruhigte mich das in keinster Weise. Es war für mich und meinen Mann ein tolles Gefühl das Herz schlagen zu sehen (bei der ersten Schwangerschaft war leider nichts zu sehen). Die Ärztin meinte, manchmal kann man auch ein falsches Bauchgefühl sein und durch die Hormone kann das „Schwangerschaftsgefühl“ auch mal wieder weg sein. Mein Mann war natürlich böse, als ich nach dem Arztbesuch sagte, dass mein Gefühl trotz der guten Worte der Ärztin ein anderes ist. Ich war auch sauer auf mich, denn ich wollte doch glauben, dass alles gut ist.

Als ich jedoch nach zwei Tagen mit absoluter Bettruhe wieder bei der Ärztin war und sich das rosa Blut in dunkelrotes und teilweise schwarzes Blut verwandelt hatte, war auch sie besorgt und überwies mich direkt ins KH. Dort war ich dann ab Freitagmittag und bekam Progesteron und Magnesium. Mehr konnte man nicht tun. Bloß warten und zwei v**inale Ultraschalle wurden gemacht. Samstagabend haben mein Mann und ich uns zusammen ins KH-Bett gekuschelt und irgendwas im TV angeschaut, über was ich mich total ausgeschüttet habe vor Lachen. Da wurde es noch schlimmer mit den Blutungen. Morgens um 2 Uhr, ich war gerade auf dem Weg von der Toilette zurück zum Bett, habe ich mein Baby mit einem Mal verloren und es lag weich gebettet in meiner Binde.  In dem Moment habe ich gemerkt, wie viel Liebe man schon einem klitzekleinem Wesen entgegen bringen kann und wie schlimm es ist dieses zu verlieren. Dieser Moment war sooo schlimm, ich hatte es direkt vor mir. Auch wenn es nur ein blutiger Zellklumpen war, ich hätte mein Baby am liebsten an mich gedrückt, wenn ich nicht auf eine andere Art total geschockt gewesen wäre. Eine liebe Schwester kam zum Glück direkt zu mir, als ich klingelte, denn mir war so schwindelig, dass ich fast umgefallen wäre. Sie nahm es dann auch mit. Wenn ich diese Zeilen schreibe, kommt all die Trauer und unendliche Liebe für dieses Pünktchen wieder hoch und ich muss wieder weinen.

Am nächsten Tag jedenfalls kam dann zum Glück direkt die Ausschabung, bei der jedoch kaum noch Fetzen ausgeschabt wurden, da das meiste in einem Rutsch rausgekommen war.

Das war somit Klappe, die 2. und für mich eine Bestätigung, dass man Bauchgefühl leider Recht hatte. Zudem wusste ich die ganze Zeit irgendetwas stimmt gesundheitlich nicht mit mir. Das sagte ich auch meinem Mann, der jedoch meinte, dass er nicht glaube, dass man etwas finden werde. Tja, mein Bauchgefühl hatte wieder Recht. Und seitdem nimmt mein Mann meine Empfindungen ernst, obwohl er wirklich ein absoluter Zahlen- und Faktenmensch ist. Aber mehr zu meiner Gesundheit in meinem nächsten Beitrag.

 

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