Freunde sind wie Sterne – ach ja?!?!

Ihr kennt doch den Spruch Freunde sind wie Sterne, du kannst sie nicht immer sehen, aber sie sind immer für dich da. Aber ob der immer so stimmt?!

Klar, es gibt Freundschaften, die sind für gewisse Lebensabschnitte geschlossen, wie beispielsweise in der Schulzeit, in der Ausbildung, im Studium und sogar auch während der Zeit, in der man in dieser oder jener Firma arbeitet. Das sind Freunde, die für eine gewisse Zeit auch den Namen verdienen, weil man gegenseitig Freud und Leid teilt und in diesem Abschnitt des eigenen Lebens genau diese Personen als erstes anruft, wenn einem der Schuh drückt oder wenn es etwas zu feiern gibt.

Solche Bekanntschaften oder Freundschaften können wechseln, das ist im Leben eben so – je nachdem in welcher Lebensphase man sich befindet. Ich würde sie auch als Lebensphasen-Freundschaften bezeichnen.

Dann gibt es aber auch noch die Freundschaften, die über Schule, Ausbildung, Studium etc. hinaus anhalten und die teilweise für´s Leben sind. Zu diesen engen Freundschaften gehören für mich genau zwei Menschen, die mich schon seit vielen Jahren begleiten und sich mit mir in einem größeren Kreis von 10 Freundinnen bewegen. Diese 10 kenne ich schon seit vielen Jahren. Ab und an sind dann teilweise auch die dazugehörigen Männer bei Treffen vertreten, die zwar ganz gut miteinander auskommen, jedoch keine Freundschaft verbindet.

Früher, d. h. bevor der Babyboom in dieser Runde ausgebrochen ist, war vieles noch unkompliziert. Wir trafen uns sehr regelmäßig, weil wir die gleichen Interessen hatten.

Ich finde, Hochzeit, Hausbau oder -renovierung sowie Umzüge in entferntere Städte sind zwar auch Veränderungen, die sich aber nicht direkt auf das Leben des Umfeldes auswirken wie das Kinderkriegen. Für die Singles unter uns Mädels war es zwar schon schwer von einer Hochzeit oder Hauseinweihung zum nächsten Pärchen-Event zu tingeln, aber das ging für alle noch. Mit dem jeweiligen Event kam dann anschließend auch wieder Ruhe in die Runde.

Mit den ersten Schwangeren in unserer Gruppe wurde es jedoch ganz anders. Da ich bereits vorher meine erste Fehlgeburt hatte, zählte ich mich nicht dazu. Freundinnen, die vorher richtige Partymäuse waren, mutierten zu kompletten Nesthockern und hatten zu gar nichts mehr Lust. Ich konnte das teilweise nachvollziehen, da es mir während meiner beiden Schwangerschaften genauso ging. Vor lauter Müdigkeit und auch vor Sorge blieb ich in den wenigen Wochen, bis es wieder zur Fehlgeburt kam, zuhause – dennoch hatte ich Kontakt zu meinen Mädels. Was ich aber seither sehr traurig finde, ist, dass vereinzelte Freundinnen auf einmal kein Interesse an gar nichts mehr hatten, was sich nicht um Schwangerschaft etc. drehte. Die Probleme und das Leben der anderen waren auf einmal egal oder nicht mehr so wichtig. Ich betone an dieser Stelle, dass nicht alle so waren bzw. sind, es mir aber genau bei denjenigen aufgefallen ist, die vorher noch groß getönt haben, dass sie nie so sein wollten und dieses Verhalten total verurteilten. Auch gemeinsame Aktionen wie Wochenendfahrten im Freundinnenkreis wurden mit den Worten „Ich führe jetzt ein anderes Leben“ beinahe arrogant abgewiegelt. Als ob sie jetzt ein besseres Leben als wir führen würde. Auch die Reaktionen auf meine letzte Fehlgeburt waren doch sehr unterschiedlich – von sehr mitfühlend von einer entfernteren Freundin aus unserem Kreis, von der ich am wenigsten Anteilnahme erwartet hätte, bis hin zu gar nicht mehr gemeldet. Im Nachhinein würde ich es nicht mehr in der gesamten Gruppe erzählen bzw. falls es mir noch einmal passieren sollte, wirklich nur meinen beiden engsten. Das ist dann wirklich so eine Art Schutzmechanismus, sodass ich mir gewisse Dinge nicht mehr zu sehr zu Herzen nehme.

Am meisten getroffen hat mich jedoch eine Sache. Bisher haben wir immer wieder Treffen im größeren Kreis stattfinden lassen. Wie oben beschrieben sind auch ab und an die Herren der Schöpfung sowie die Kinder anwesend. Da wir inzwischen, neben den Singles, das einzige Paar sind, das noch keine Kinder hat, wurden wir bei einem Treffen, das von einem der Männer organisiert wurde, gar nicht mehr gefragt, ob wir an dem geplanten Termin teilnehmen wollen.

Das Sahnehäubchen des Ganzen kam dann, als ich auch direkt im Mädelskreis ansprach, wie traurig ich das finde aufgrund der fehlenden Kinder nicht mehr gefragt zu werden. Von den meisten erntete ich Verständnis und aufrichtige Entschuldigungen. Bloß von zwei Freundinnen nicht. Die eine, die sich die ganze Schwangerschaft und, seit ihr Kind auf der Welt ist, sehr zurückgezogen hatte und nur noch mit anderen Mamis verkehrte, über die sie zuvor noch gelästert hatte, meinte dann ganz von oben herab: „Naja, ihr (damit meinte sie meinen Mann und mich) seid ja auch selbst dran schuld, ihr habt euch ja auch ganz schön zurückgezogen!“ Das fand ich mehr als armselig. Genau diejenige, die sich gar nicht um uns geschert hat, als wir wieder ein Baby verloren haben, bringt so einen blöden Spruch. Es war ihr auch egal, wie wir uns durch diese Zurückweisung im Freundeskreis gefühlt haben. Die andere hat sich dazu gar nicht geäußert, ist dem Konflikt – wie immer – aus dem Weg gegangen. Das ist natürlich auch immer eine Möglichkeit, sich Stress vom Hals zu halten.

Diese Sache hat bei uns im Freundeskreis irgendwie einen Knacks hinterlassen. Die Entrüstung der Singles und von mir war groß, weil wir Kinderlose uns nie zurückgezogen haben – im Gegenteil: für uns lief ja alles wie bisher und wir konnten tun und lassen was wir wollten ohne auf Stillen, kranke Kinder, Kinderbetreuung etc. Rücksicht zu nehmen. Auch die letzte Fehlgeburt sorgte nicht dafür, dass ich nur noch heulend zu Hause sitze. Klar, in den ersten paar Wochen war mir nicht danach weg zu gehen, aber danach war ich wie eh und je wieder dabei. Ich wollte mich nicht unterkriegen lassen. Bloß die frisch gebackenen Eltern konnten nicht mehr überall dabei sein.

Traurig ist auch, dass Freundschaften nun nicht mehr unabhängig von Kindern gepflegt werden, sondern dass die Kinder nun ausschlaggebend sind, ob man „dazu“ gehört oder nicht. Ich finde gerade jetzt in dieser schwierigen Situation merke ich wer wirklich da ist und ob Freunde wirklich wie Sterne sind. Einige Sterne leuchten mittlerweile nicht mehr so stark oder sind bereits so gut wie erloschen. Andere wiederum sind doch stärker zum Leuchten gekommen als bisher. Und das freut mich am meisten.

Ich finde es immer wieder beruhigend, dass es anderen KIWUlerinnen genauso geht und ich bei der einen oder anderen auch immer wieder lesen musste, wie Freundschaften zerbrochen sind, weil uns so viel Unverständnis und teilweise Unverschämtheiten entgegen gebracht werden. Aber dann waren es die Freundschaften auch nicht wert und sie reduzieren sich eher auf Bekanntschaften.

Dennoch bin ich sehr traurig darüber.

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2 Gedanken zu „Freunde sind wie Sterne – ach ja?!?!

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