Ahoi 29. Woche vs. Freundschaften aus Kindheitstagen

29. SSW (28+0)

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Naja, ich war schon als Kind eine Frühaufsteherin und finde die morgendliche Ruhe seeehr entspannend, mache dafür aber abends früh schlapp. Daher schreibe ich auch schon so früh und kam in den Genuss eines tollen Sonnenaufgangs und Vogelgezwitschers.

Seit einer Woche schlägt der kleine Mann richtige Wellen und zaghafte Beulen in meinen Bauch. Ich könnte stundenlang zuschauen und finde es wunderschön, wenn er direkt auf meine Streicheleinheiten reagiert.

Ansonsten geht es mir eigentlich ganz gut. Gewicht ist bei + 7 kg, was sich aber nicht so anfühlt. Wenn meine Mitmenschen mit ihren Kommentaren wie “29. Woche, ach was ist der Bauch klein!!“ nicht wären, dann gäbe es mich auch ab und zu mal als entspannte Version von Frau Schwani. Aber solche Unterhaltungen bringen mich mittlerweile nach dem zwanzigsten Kommentar mit demselben Inhalt zum Kochen. Wer sagt eigentlich was normal ist für meine Schwangerschaftswoche? Die besserwisserische Gesellschaft? Meine Frauenärztin hat sich über meine Schilderungen auch gleich mitaufgeregt, da es dem Kleinen wirklich gut geht und er absolut in der Norm ist und die Leute in Bezug auf eine Schwangerschaft glauben allwissend zu sein und zu allem ihren Senf dazu geben zu dürfen. Ungebeten natürlich. Ich weiß auch gar nicht, warum ich nicht locker darüber hinwegsehen kann. Ich bin eben so feinfühlig und sensibel.

Wie Lucy in ihrem Beitrag schon schrieb, durch eine Schwangerschaft wird einem bewusst, dass Dinge, die vorher nicht gut waren, jetzt auch nicht besser sind. Ich finde, die Schwangerschaft bewirkt, dass ich noch mehr nachdenke, insbesondere über zwischenmenschliche Beziehungen. Und ich muss feststellen, dass einstige Enttäuschungen noch größer werden.

Ich kann immer nur von mir ausgehen. Als meine Freundinnen schwanger waren, habe ich ihnen auch etwas Gutes tun wollen und bin zu ihnen gekommen, damit sie bloß keinen Stress haben mit der Fahrerei, habe ihnen teilweise kleine Päckchen geschickt mit Schwangerschaftsöl, einem ersten Strampler etc. Jetzt sieht es anders aus, sie haben das Kind/die Kinder, wieder angefangen zu arbeiten und sich zu treffen, ist sowieso purer Stress, insbesondere für meine einst engste Freundin. Außer ich komme zu ihr und nehme eine lange Autofahrt in Kauf (2,5 Stunden pro Strecke), weil man sich auf halber Strecke, in der alten Heimat, ja nicht treffen kann. 1 000 Ausreden. Und Telefonieren ersetzt kein persönliches Gespräch, bei dem man sich in die Augen schauen oder mal in den Arm nehmen kann. Darüber zu reden habe ich auch schon probiert. Hat leider nix gebracht.

In der letzten Zeit habe ich mehr mit Freundinnen (mit und ohne Kinder) gemacht, die mir jetzt näher stehen als früher. Die alten Freundschaften schleifen dahin, obwohl wir schon so viel miteinander seit der Schulzeit erlebt haben. Hochzeit, Haussanierung oder -bau, Umzug, all das ist für eine Freundschaft zu stämmen. An der Hürde “Kinder“ scheinen diese aber öfters mal zu scheitern.

Ich frage mich immer, ob ich zu hohe Erwartungen an andere stelle, die ein Mensch grundsätzlich nicht erfüllen kann. Ist es zu viel erwartet, wenn man sich das gleiche erhofft, was man Jahre zuvor oder auch aktuell von Herzen gerne geleistet hat? (Ich möchte auf keinen Fall aufrechnen und eine Bilanz erstellen, bei der zum Schluss dasselbe gegenüber stehen muss) Werde ich in ein paar Wochen mein blaues Wunder erleben, wenn der kleine Fratz auf der Welt ist? Lerne ich mich wirklich komplett neu kennen, oder ist Frau Schwani nur zeitweise abgetaucht? Habe ich dann mehr Verständnis, insbesondere für Mütter?

Als wir vor drei Jahren Hausbau und -renovierung, Hochzeit, Jobwechsel, Wochenendbeziehung und Umzug zur selben Zeit abwickeln mussten, weil nix planmäßig lief, hatte ich trotzdem noch Zeit für meine Freundinnen und ihre Probleme, Interessen etc. Eine gute Organisation war damals bloß das A und O.

Ist “Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ mit Kindern jedoch ad acta gelegt???

Traurig ist, dass meine einst gute Freundin diese Woche noch nicht mal an mich gedacht hat, obwohl sie wusste, dass ich eine wichtige berufliche Überprüfung hatte, die eine wochenlange Vorbereitung benötigte, um befördert zu werden und die mich schon seeeehr beschäftigt hat. Sie hat es – wie so vieles – schlichtweg vergessen. Und Menschen, die mir nicht so nahe stehen, haben an mich gedacht und mir viel Glück gewünscht, was mich zwar sehr freut, aber das Elend “Freundschaften aus Kindertagen“ umso mehr vor Augen führt.

Ich finde auch nicht, dass das Argument “Wir führen jetzt zwei unterschiedliche Leben“ gelten kann. Ich habe auch eine sehr gute Singlefreundin in verantwortungsvoller Position mit einigen Mitarbeitern unter sich, die es doch auch schafft, zum Hörer zu greifen, um sich zu melden, obwohl der Job stressig ist und unsere Leben sehr unterschiedlich sind. Und wenn mir etwas wichtig ist, das ich nicht vergessen will, dann gibt’s Erinnerungsfunktionen und Kalender.

Aber warum ist das bei Freundinnen mit Kindern so anders? Ob das Baby “Job“, „Hochzeit“, “Hausbau“, “Ben“ oder “Mia“ heißt, ist doch eigentlich egal, oder??!!

Es macht mich oft traurig. Und auch wenn ich anderen diesbezüglich Ratschläge erteilen kann, so kann ich diese oft nicht selbst umsetzen. Ich bin eben kein “LMAA“-Typ (L*ck mich am A***), sondern ein sensibles Pflanzerl.

Ihr seht, ich interessiere und beschäftige mich (auch beruflich) für bzw. mit gesellschaftskritische(n) Themen. Zurzeit ist ja “Regretting Motherhood“ in den Vordergrund gerückt … Die Liebe Einspluseins hat einen interessanten Blogbeitrag dazu rebloggt.

Ich freue mich auf eure Kommentare. 💜

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4 Gedanken zu „Ahoi 29. Woche vs. Freundschaften aus Kindheitstagen

  1. clau0185

    Guten Morgen! Wenn du immer so früh wach bist, komm doch mal vorbei und bespaß meinen Nachwuchs etwas, ich würde nämlich gerne noch schlafen…😉😴
    Das mit den Freundschaften muss wohl jeder durchmachen…😔 Ich hab im Laufe der Schwangerschaft auch Enttäuschungen erlebt. Und auch jetzt noch. Meine Freundinnen sind alle kinderlos und eine erwartet trotzdem immer, dass ich mit Baby in die Stadt zum Mittagessen komme – klar, für eine Stunde Essen fahre ich in Summe 2 Stunden durch die Gegend.😠 Verständnis ist keins vorhanden. Ich setze da jetzt ganz klar Prioritäten und wer mir nicht entgegenkommt, dem kann ich auch nicht helfen. Aber traurig ist es trotzdem.😔
    Ist deine Überprüfung gut gelaufen?
    Zum Thema blöde Sprüche: Ich musste mir immer dumme Sachen anhören, weil mein Bauch schon so früh so rund war. Und jetzt mit Kind ist’s noch schlimmer! Wildfremde schauen in den Kinderwagen (gerade noch dass sie nicht rein krabbeln!) und meinen einem „gute“ Tipps geben zu dürfen. Da könnte ich ausflippen! Nur weil ich ein Kind habe darf mich noch lange nicht jeder Hans Wurst anquatschen!!!😠
    Soviel dazu!😉
    Einen sonnigen Samstag wünsche ich dir!☀️

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  2. frauschwanisbauchgefuehl Autor

    Mit dem morgendlichen Hannah bespaßen hätte ich keine Probleme. Ich mache dann eh nochmal mittags ein kleines Nickerchen. 😉 Schade, dass wir nicht so nah bei einander wohnen. Von dir zu erwarten, dass du so lange mit der Kleinen fährst. Das ist doch doof, wenn dir niemand entgegenkommt. Das zeigt mir auf der anderen Seite auch das Unverständnis der Kinderlosen gegenüber den Müttern. Oder ist es insgesamt das mangelnde Einfühlungsvermögen der Gesellschaft?! 😉Bei uns hat vor drei Jahren, als ich 30 war, der ganze Freundeskreis losgelegt und steckt jetzt in der Planung des zweiten Kindes. Dann seid ihr ja wirklich die ersten bei euch, was grundsätzlich nicht schlecht ist, weil man dann im Freundeskreis nicht diese tollen Ratschläge bekommt. 😀 Von diesen kann ich auch ein Lied singen. Ich würde wahnsinnig werden, wenn Leute sich einfach das Recht rausnehmen, mein Baby anzutatschen und in den Kinderwagen zu krabbeln. 😤😡 Ich bin gespannt, wann ihr mit der Planung des zweiten loslegt. 😉 Wie ist eigentlich der Stand bei eurem Haus? Ist ein Einzugstermin in Sicht?

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  3. J.B.

    Freundschaften… Ein schwieriges Thema. Ich erwarte dann doch auch, dass sich meine Freunde auch ab und an mal bei mir melden können / sollten und nicht immer nur ich diejenige bin, die sich rührt und / oder durch die Gegend fährt.
    Kann man zwar nicht ganz vergleichen, aber ich hab das hier mit meiner Freundin auch. Mein Hund kotzt beim (langen) Autofahren, ihre nicht. Trotzdem erwartet sie, dass wir die gut 4 Std zu ihr fahren. In die Stadt. In eine relativ kleine Wohnung. Wir wohnen in einem Haus auf dem Land, was ja theoretisch für die Hunde auch angenehmer wäre… Naja, lassen wir das. Mittlerweile denk ich mir: Dann eben nicht.
    Das Gute ist ja tatsächlich: Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere. Und mittlerweile hänge ich nicht mehr wirklich an dieser Freundschaft weil ich eben ganz tolle neue Freundschaften habe. Mit Menschinnen, die mich WIRKLICH verstehen und für mich da sind. Und andersrum natürlich auch 😉
    Schade ist es trotzdem, das ist klar.

    Ich freue mich, dass es euch gut geht. Und auch, dass die Überprüfung super lief!!

    Alles Liebe!! ❤

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