Ich bin noch da

41. SSW (40+4)

Ich bin noch da. Immer noch. Leider. Nix mit Kreischsaal. Ungeduldig. Genervt. Unausgeglichen.

Alle zwei Tage war ich bisher – heute Morgen das 3. Mal – im Krankenhaus zum CTG und Ultraschall. Am vergangenen Samstag wurde dann das aktuelle Gewicht auf 4 kg geschätzt – Tendenz nun steigend. Ich bin ja fast vom Stuhl gefallen. Das ist ja schon ne Hausnummer, so einen Pfundskerl rauszupressen. Klar, Geräte können nichts exakt ermitteln. Das Gewicht kann auch weniger sein – oder auch mehr. Und das zu der Behauptung von irgendwelchen Schlaumeiern „großer Bauch – großes Kind“ oder umgekehrt „kleiner Bauch – kleines KInd“. Mein Bauch sieht definitiv nicht nach 41. SSW aus.

Bis auf diesen Schrecken sieht alles tip top aus. Der Kleine freut sich seines Lebens und wurschtelt noch gemütlich in meinem Bauch rum. Das CTG hat heute viele große „Ausschläge“ gehabt, aber diese Wehen habe ich kaum im Bauch gespürt.

Zum Glück war heute meine Lieblingsärztin da. Bei den anderen beiden Terminen hatte ich jeweils zwei stoffelige Oberärzte, die kaum einen Ton rausbekommen haben. Dadurch war ich jedes Mal nach den Untersuchungsterminen mies gelaunt, denn ich lasse mir nicht so gerne „da unten“ rumfummeln, ohne nettes Gespräch oder erklärende Worte, die ich jedes Mal nur durch meine Nachfrage erhielt.

Naja, auf jeden Fall stieg meine Stimmung schon deutlich in die Höhe als ich Frau Lieblingsärztin schon auf dem Flur sah. Sie erklärte mir während der Ultraschalluntersuchung auch das weitere Vorgehen. Am Freitagmorgen werde ich noch einmal zur Kontrolle kommen. Für meinen Kopf ist das irgendwie schon beschlossene Sache, dass sich bis dahin nix mehr von alleine tut.

Am Samstag wird dann morgens die erste Dosis wehenfördernder Mittel gespritzt. 6 Stunden warten. Nächste Dosis. 4 Stunden warten. Pause über Nacht. Das Ganze geht dann am nächsten Tag weiter und könnte bis zu drei Tage dauern, je nachdem wie schnell mein Körper auf die Medikamente anspringt.

Bei diesem Satz ist meine Stimmung dann komplett in den Keller und noch tiefer gefallen. Denn: Mein Körper ist ja bekanntlich nicht der Schnellchecker, was Hormone angeht. Im Vergleich dazu ist es wie mit Wodka-haltigen Cocktails. Du spürst erst gar nix, trinkst zwei bis drei gut gefüllte Gläser mit ner ordentlichen Mische, weil sie ja auch sooooooo guuuuut schmecken, es dauert eine ganze Zeit lang und dann gehen die Lichter mit einem Zappen aus und du spürst die volle Breitseite. So war es bei meinem Körper auch immer. Erst Wochen später haben zum Beispiel die Schilddrüsenmedikamente angeschlagen und haben dann genau den gegenteiligen Effekt bewirkt.

Ich habe keine Lust auf eine künstliche Einleitung mit Medikamenten. Ich hätte es doch so gerne gehabt, dass mein Körper es auch mal von alleine schafft. Ich weiß, viele Frauen gehen über den Termin und das ist alles kein Beinbruch, dann gibts eben eine Einleitung. Aber irgendwie ist da wieder das Gefühl des Versagens in meinem Kopf. „Dein Körper kriegt es nur hin, weil wieder nachgeholfen wurde.“

Seit vier Wochen fahre ich mit gepackter Kliniktasche im Auto herum, die Inkontinenz-Auflagen auf dem Sitz, damit im Falle eines Blasensprungs nix daneben geht. Jeden Tag habe ich zahlreiche Nachfragen über die verschiedensten Kanäle, ob´s schon was Neues gibt. Ich freue mich total darüber, dass so viele Freunde, Kollegen und Bekannte an mich denken. Aber ich bin doch eher aus der Kategorie „Heimlich, still und leise“ und „Ach übrigens …“.

Das soll jetzt kein Jammer-Post sein, ich bin doch unendlich dankbar, dass ich mich in dieser glücklichen Situation befinden darf, aber irgendwie zerrt diese „Es kann jederzeit losgehen oder auch nicht“-Situation an meinen Nerven. Auch die Aussicht früher ins Krankenhaus zu müssen, weil eingeleitet wird und demnach zeitlich noch länger dort zu sein, mieses Essen aufgetischt zu kriegen (ich kenne es noch vom letzten Mal), weil das Personal es nicht auf die Reihe bekommt, mir laktosefreies Essen zu organisieren, und woanders schlafen zu müssen – ohne meinen Schatz einer meiner Seite – treiben mir die Tränen in die Augen.

Ich habe die letzten Wochen auch wirklich zu viel Zeit gehabt, um über all das nachzudenken. ZU VIEL ZEIT für´s Grübeln, Ärgern, Genervt und Ungeduldig sein und Angst bekommen. Ich bin seit Tagen wirklich nah am Wasser gebaut.

Ich will doch nur, dass es von alleine losgeht. Ich wünsche mir, dass ich nachts durch starke Kontraktionen wach werde und wir dann mit schönen, fetten und schmerzhaften Wehen ins Krankenhaus fahren. Dafür bleiben jetzt aber nur noch drei Tage (und eine morgige letzte Akupunktursitzung). Tipps, wie Spazierengehen, Putzen, Fußmassage etc. haben nichts gebracht. Heftige Gewitter haben die Kreißsäle von drei Krankenhäusern in unserer Umgebung proppenvoll werden lassen. Wir waren jedoch nicht dabei.

Die KitchenAid ist bisher auch nicht gekommen, um mich abzulenken. Nach telefonischer Nachfrage wurde mir ein Liefertermin Mitte/Ende nächster Woche zugesagt.

Dann wird mein kleiner Fratz das Battle wohl gewinnen. Ist aber ein guter Trost.

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42 Gedanken zu „Ich bin noch da

  1. lucyandjerry

    Ist es ok, wenn ich diesen Beitrag einmal komplett kopiere und bei mir unter „Ich bin auch noch da- 40+5“ veröffentliche?! 👀
    Mensch Schwani, da haben wir beide jetzt noch mal eine Gedulds- und Bewährungsprobe als Auftrag erhalten!
    Vielleicht sollten wir uns heute Abend ein Bad genehmigen, einen schönen Wehencocktail mit ordentlich Sekt reinziehen und den werten Mann um einen letzten, für ihn lohnenden Gefallen bitten?!
    Im Ernst: Das von der Klinik vorgeschlagene Prozedere kann ja wirklich zermürbend werden 👀 Morgen werde ich in meiner Klinik das weitere Vorgehen besprechen, wird wohl auch am Samstag losgehen. Ich dachte nur, dass man an einen Wehentropf kommt oder so.
    Habt man dir sonst keine Alternativen angeboten? Du bist doch seit Wochen körperlich startklar? 👀

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      1. clau0185

        Schau doch noch mal den Geburtsbericht an (irgendwann im März). Bin morgens beim FA gewesen, eingewiesen worden, ab 13 Uhr Einleitung mit Cytotec und um 21.04 Uhr war sie dann ja schon da.😊

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    1. frauschwanisbauchgefuehl Autor

      Kein Problem, liebe Lucy! Bediene dich. Mein ist dein. 😀 Ich hätte in der Tat Lust auf ein Sektchen und eine kalte Badewanne. Aber alles Weitere würde ein Krampf werden. 😂😂😂 Man hat mir zwei Möglichkeiten genannt, die aber am Samstag nochmal genauestens erläutert werden. Entweder Tropf/Tabletten oral oder Tabletten vaginal. Die Ärzte haben mehr Hoffnung als ich, dass auf natürlichem Weg vorher noch was flunzt. Den Begriff “butterweich“ kann ich nicht mehr hören. Bringt auch nix, wenn dadurch keine Fortschritte zu vermerken sind. 😬😡😤

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      1. lucyandjerry

        😂😂😂 Haaach, zumindest hast du deinen Humor nicht komplett verloren!! Ich drücke dir (ok, uns) einfach wie eine Bekloppte die Daumen, dass in den nächsten Stunden die Wehen einsetzen!! Was ich einfach an deinem Programm furchtbar finde, ist die Tatsache, dass du im KH bleiben musst/ sollst. Tabletten könntest du doch theoretisch auch zuhause einnehmen… Den Begriff „butterweich“ finde ich ja fast würdig, um ihn auf ein butterweiches Kissen zu sticken- als Erinnerung an den Sommer 2015 😀😉

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  2. clau0185

    Ach liebe Frau Schwani, lass den Kopf nicht hängen! Eine Einleitung macht die Geburt auch nicht weniger gut oder wert! Hannah kam auch nach Einleitung und sogar mit PDA und sie ist trotzdem wunderschön und die Geburt war eine großartige Leistung meines Körpers. Wie sagte der Anästhesist so schön: „Kinder, die mit PDA auf die Welt kommen, sind mindestens genauso schön und intelligent wie Kinder ohne PDA!“ Und das gilt auch für eingeleitete Geburten.😉 Mach Pläne, genieß die Zeit, solange es dem Schratserl gut geht ist ja noch alles im grünen Bereich.😊 Und ganz ehrlich: Einleitungen sind besser als ihr Ruf. Mach dir keinen Kopf! Und lass dich nicht davon irritieren, wenn du etwas unterschreiben musst, musste ich auch, denn Cytotec als Mittel zur Geburtseinleitung ist ein Off-Label-Use. Und zum Gewicht: Der kleine Mann könnte auch 10kg wiegen und 80cm lang sein, solange beim Kopfumfang keine 4 vorne steht, ist noch alles machbar.😉

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      1. clau0185

        Nee, der Befund war nicht mehr gut und da hat mein Arzt beschlossen, dass die Maus geholt wird, solange es ihr noch gut geht. Aber rückblickend war der Befund wohl deswegen so, weil ich schon mitten in der Geburt war.😉

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    1. lucyandjerry

      Noch nicht, liebe Spring… Dass ich mal so weit komme, hab ich mir auch einige Jahre nicht vorstellen können. Du kannst davon ausgehen, dass ALLE KiWu- Blogschwestern DIR ganz besonders die Daumen drücken und weiterhin hoffnungsvoll deinen Weg verfolgen werden… 🍀

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  3. Penny Herzmolekuel

    Liebe Frau Schwani,

    sag mal, hast du eine Hebamme, die auch vor der Geburt greifbar ist?
    Ich sag mal das Stichwort: Eipollösung.

    Nach einer Stunde hatte ich extremr Wehen, elf Stunden später war das Minimolekül geboren…

    Ich denk an dich. Und gib nicht viel auf diese Messungen…das weicht eh immer von der Realität ab. Und selbst wenn: Raus kommen sie alle…

    Ich denke an dich!

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      1. lucyandjerry

        Wow, dann gings ja richtig zügig los!! Das Thema „Schmerz“ lässt sich bei einer Geburt wahrscheinlich nur schwer umschiffen, daher bin ich mal gespannt, ob man mir eine Eipollösung anbietet. Interessante, vor allem medikamentenlose Alternative 👍😊

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  4. Penny Herzmolekuel

    Ja, ging ratzifatzi und das vor dem ET! 🙂

    Und nochmal ja: Nachdem ich jetzt Wehen und Geburtsschmerz ohne PDA überlebt habt 😂, ist die Eipollösung ein Klecksiklacks gewesen. ;))))

    Fand es als Alternative-Anstubserei prima, die KH machen das allein deswegen nicht, weil sich – vor allem mit PKV-Patienten – ja einleitungstechnisch gut Geld verdienen lässt. Die Geburt war ja auch ohne Einleitung ein „Schnapper“, da will ich gar nicht wissen was mit noch draufgeschlagen werden kann.

    Bin gespannt, was sich heute „ergibt“ bei euch! 😘

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