5 Wochen Schwanenkind

Exakt 5 Wochen sind nun schon vergangen, in denen ich mein Schwanenkind in meinen Armen halten und Mama sein darf. In dieser in Zeit ist unendlich viel passiert. Mein kleiner Schatz wiegt nun über 4.800 g und ist bisher mehr als 2 cm gewachsen. Immer wenn ich ihn anschaue, bin ich soooo unglaublich glücklich.

Wie sagt es ein Spruch, den ich über Whats*pp geschickt bekommen habe:

„Der Geburtstermin ist das einzige Blind Date, bei dem Du sicher sein kannst, die Liebe deines Lebens kennen zu lernen.“

Ich kann ihn genau so wie er ist unterschreiben. Das Schwanenkind ist die Liebe meines Lebens und ich würde alles für den kleinen Mann tun. Aber das wusste ich auch schon vorher.

Der Geburtsvorgang, die ein solch unglaublich schmerzhaftes und zugleich absolutes Glücksgefühl mit sich bringt, wurde bei mir durch Cytotec-Tabletten eingeleitet, da nicht mehr genug Fruchtwasser vorhanden war, und hat von der Einnahme der ersten Tablette bis hin zum Erblicken unseres Sonnenscheins rund 16 Stunden gedauert. Ich hatte mir ja geschworen, dass ich weder zu den schreienden Frauen gehöre noch in eine fremde Badewanne gehe. Tja, unter Wehen erkennt man sich nicht wieder und wird zum Tier. 🙂 Leider bekam ich keine PDA, da der Anästhesist das Risiko in Bezug auf die Heparin-Behandlung zu hoch einstufte, was sich im Nachhinein als totaler Mist herausstellte, aber gut. Er war eben übervorsichtig. Daher musste ich mit Schmerzzäpfchen und -tropf sowie mit Lachgas (ob das wirklich Schmerzen lindert, lasse ich mal unkommentiert. 🙂 ) irgendwie durch. Unter den Wehen habe ich mich gefühlt wie in Trance und nicht mehr zu dieser Welt zugehörig.

Das Gefühl, meinen kleinen Schatz endlich auf meiner Brust liegen zu haben, ist doch wirklich das schönste, was ich jemals empfunden habe und entschädigt für alles, was war und zukünftig sein wird. Diesen nackten, weichen und warmen Körper auf meinem zu spüren ist unbeschreiblich und lässt mir jetzt immer noch die Tränen in die Augen schießen. Der kleine Mann hat gar nicht geschrieen als er geboren wurde, sondern hat sich direkt interessiert umgeschaut. In den ganzen letzten fünf Wochen hat sich seine Neugier von Tag zu Tag immer mehr gesteigert und ich kann beobachten wie er immer mehr nach Sachen greift.

Leider nimmt auch nach der Geburt der Leidensweg oft nicht ab. Nähte und Hämatome, die an Stellen schmerzen, an denen bisher noch nichts dergleichen geschmerzt hat. Der Milcheinschuss, der mich zu einem Wunder aus Silicon Valley werden ließ. Da frage ich mich wer zum Teufel lässt sich freiwillig solche Melonen einpflanzen???!!! Ich konnte weder auf der Seite, auf dem Rücken, geschweige denn auf dem Bauch schlafen. Aber damit nicht genug.

Kaum dass ich fünf Tage aus dem Krankenhaus daheim war, bin ich auch wieder rein. Eine Brustentzündung auf beiden Seiten ließ schlagartig meine Körpertemperatur ansteigen, sodass ich wieder (mit Baby) ins Krankenhaus musste. Dort angekommen wurde auch noch ein Lochialstau diagnostiziert (Gewebestau in der Gebärmutter), was mit einem Aufdehnen des Muttermundes und mit wehenfördernden Mitteln bekämpft wurde. Außerdem bekam ich „leichte“ Abstilltabletten, um die wahnsinnige Menge an Milch zu drosseln.

Nach vier Tagen durfte ich das Krankenhaus dann wieder verlassen. Die erste Nacht zu Hause war jedoch die Hölle, weil die lieben Ärzte mir zu hoch dosierte Abstilltabletten gaben, der kleine Schatz hatte demnach nichts mehr zu trinken. Die Milchmenge wurde so krass gedrosselt, dass sie nicht mehr ausreichte. Die Folge: Eine absolut durchgebrüllte Nacht und innerhalb von einem Tag nahm das Schwanenkind 140 g ab. Ich musste demnach zufüttern und meine Milchmenge durch Abpumpen, Malzbier und Stilltee wieder pushen.

Das gelang auch ganz gut, bis die nächste Brustentzündung auf der einen Seite im Anmarsch war. Dieses Mal bekam ich sie jedoch mithilfe meiner so lieben und kompetenten Hebamme in den Griff. Der Kleine trinkt gut, ich habe genug Milch und das Stillen läuft einwandfrei. Eigentlich dachte ich, dass nun alles ausgestanden sei. Leider Pustekuchen. So sensibel ich grundsätzlich bin, so übersensibel ist offenbar meine Brust, was Stress in Form von Schlafentzug, neue Lebensumstände etc. angeht.

Inzwischen hat sich ein Abszess gebildet, den ich jetzt mit Antibiotika behandeln muss. Die Brust ist feuerrot und sieht wie verhauen aus. Alle paar Tage wird nun Ultraschall gemacht. Bisher hat sich der Abszess von 25 mm x 10 mm um jeweils einen Millimeter reduziert und ist weicher geworden. Ich hoffe, ich komme um eine Punktion oder gar OP herum. Denn bei einem erneuten Krankenhausaufenthalt wäre es das Ende des Stillens. Ich weiß, nicht unbedingt. Aber ich denke, dann ist für mich Schicht im Schacht. Wie oft soll man dieses Spiel noch mitmachen bzw. was kann man seinem Körper noch zumuten?

Obwohl ich vor der Geburt total cool mit dem Thema Stillen umgegangen bin und alles auf mich zukommen lassen wollte, bin ich tieftraurig, wenn ich daran denke, es aufgeben zu müssen. Nicht aufgrund der Bequemlichkeit, Nahrung immer verfügbar und gut temperiert vorrätig zu haben, nein, es ist eher das Gefühl, was mich mit meinem Schwanenkind verbindet. Es ist eine unglaubliche Nähe. Als mein Mann ihm neulich aufgrund der wenigen Milchproduktion die Flasche gab, bin ich in Tränen ausgebrochen, als ich die beiden betrachtet habe. Als ob mir jemand was geraubt hätte, was nur mir gehört oder zusteht.

Es ist wirklich seltsam und interessant wie man sich selbst aufgrund des Mamaseins verändert und welche Gefühle zu Tage gefördert werden. Und vor allem ist es bemerkenswert was der weibliche Körper in der Lage ist zu leisten: 9 Monate Schwangerschaft, die Geburt, die Milchproduktion, der Schlafentzug, das Gefühlschaos und und und.

Diese neue Lebensphase ist sicher das größte Abenteuer, was man jemals erleben kann. Ich bin gespannt, was mich noch alles erwarten wird.

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3 Gedanken zu „5 Wochen Schwanenkind

  1. clau0185

    Liebe Frau Schwani,
    autsch, das hört sich sehr schmerzhaft an! Umso toller, dass du nicht aufgibst! Die Sache mit den Abstillmedikamenten klingt in meinen Ohren etwas ominös… Aber ich hoffe, dass sich bald alles zum Guten wendet, das Schwänchen wird es dir danken!😉
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

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