(K)ein Baby-Gebrüll an der Supermarktkasse

Manche Sachen gehören einfach HIERHER. Zum Beispiel, dass wir gestern vor einem Jahr mit einem HCG von 119 positiv getestet haben. Siehe hier !!!! Und heute, ein Jahr später, der ganz normale Babyalltag eingekehrt ist.

Gestern: Der ganz normale Wahnsinn … Familie Schwani fährt auf einen Supermarkt-Parkplatz in Richtung der Eltern-Kind-Parkplätze. Und einen dieser breiten „VIP“-Parkplätze brauchen wir normalerweise auch, weil wir – egal wie weit weg wir vom Supermarkt parken – immer einen Vollhorst neben uns parken haben, der gerne Gruppenkuscheln mit Autos macht, wenn wir mit vollen Einkaufstüten und einer Babyschale vollbepackt zurückkommen, sodass wir unser Gefährt kaum beladen können und uns jedes Mal aufregen.

Gestern sind leider alle Spezialparkplätze belegt. Also parken wir noch weiter als sonst vom Supermarkt entfernt, fahren mit der Babyschale auf dem Kinderwagen sowie mit einem separaten Einkaufswagen in Richtung Einkaufstempel, vorbei an den belegten Eltern-Kind-Parkplätzen.

Erster Aufreger dieser Einkaufssession: Zwei vollschlanke Mitmenschen mittleren Alters steuern zielstrebig ohne Kind im Schlepptau auf ihren Pkw zu, der auf dem Eltern-Kind-Parkplatz steht. Ich schimpfte schon wie ein Rohrspatz vor mich (und meinem Männe) hin.

Danach betritt Familie Schwani den Supermarkt – immer voller Hoffnung, dass sich der Sohnemann dieses Mal doch bestimmt nicht einbrüllen wird – wir beeilen uns trotzdem. Wir kennen ja unseren Schatz. 🙂  Alle Einkäufe sind im Wagen, wir stellen uns an die Schlange vor Kasse 2 an und warten. Hinter uns stellen sich ebenfalls weitere Kunden an.

Der kleine Mann verzieht schon das Gesicht, Schnuller rein in den Mund. (Wie schaffen es bloß all diese Super-Muddis ein Kind ohne ein solches Hilfsmittel ruhig zu stellen??? Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, obwohl ich am Anfang auch ganz ehrgeizig war, ohne dieses Werkzeug auszukommen – Immer her mit euren Empfehlung, falls ihr es ohne den Schnutenstopfer schafft).

Das Gebrüll geht dennoch los. Wir ignorieren es, da wir nicht gleich beim ersten Piep reagieren wollen. Der Sirene wird lauter, agressiver und nervtötender, was man an den sich umdrehenden Leuten in der Schlange bemerkt. Gut, wir sind wieder soweit. Er hat es geschafft. Wir holen unseren kleinen Lieblingsschreihals aus der Babyschale. Daraufhin ein Kommentar von der Frau vor uns in der Schlange: „Na, hat deine Mama endlich verstanden, was du willst?“ Mein bitterernster Kommentar: „Ja, der Kleine hat echt ne Rabenmutter und es sooo schlecht getroffen.“ Gelächter. Mir ist nicht nach Lachen zumute, ich bin gestresst. Mein Mann ebenso.

Die Schlange bewegt sich nach vorne. Die Frau vor uns und wir legen auf dem Kassenband auf. Dann kommt alles ins Stocken, nix bewegt sich mehr. Ein Hinweis von der Kassiererin: „Bitte legen Sie an Kasse 3 auf. Der Drucker ist defekt.

Was machen nun zwei der Kunden hinter uns mit ihrem vollgepackten Einkaufswagen??!! Ihr erratet es bestimmt! Jaaaa, genau. Sie scheren nach rechts aus und legen bereits an Kasse 3 auf. In dem Moment bin ich nicht mehr zu halten und rufe: „Das gibt´s doch gar nicht!!!!! Sollen wir uns denn jetzt ganz hinten an die Schlange von Kasse 3 anstellen!!!!???? Und dann noch lauter und emotionaler als ich, voller Wut im Bauch und ganz untypisch für meinen sonst eher zurückhaltenden Mann, der immer peinlich genau darauf bedacht ist, dass unsere Mitmenschen keine unserer Diskussionen beim wöchentlichen Wochenendeinkauf mitbekommen – es könnte ihn ja jemand kennen – im schlimmsten Fall einer seiner Mandanten, schreit es lauthals durch den gesamten Kassenbereich, sodass es plötzlich ganz ruhig im „Saal“ wird: „Ich glaube es hackt. Wie unverschämt ist denn Ihr Verhalten sich komplett vorzudrängeln??!!! Wo ist denn bitte hier die Rücksichtsnahme in unserer Gesellschaft geblieben???!!!“ Mir bleibt die Spucke weg. Der eine Verdrängler-Kunde – Statur Schrank – plafft mit Akzent und hochrotem wutverzerrten Gesicht zu meinem 1,90 m großen Mann zurück: „Junge, was willst du? Bis du an Kasse 3 aufgelegt hast, bin ich hier längst aus dem Laden raus.“ Den Begriff „Junge“ als Anrede kenne ich eigentlich nur von meinen Schülern, die ihren Schulabschluss nachholen und tatsächlich noch Jungs sind. Wenn ich mir meinen Mann so anschaue mit seiner Statur und dem bereits grau-melierten Haar ist der Begriff nicht ganz sooooo passend.

Im Geiste sehe ich schon eine Schlägerei im Supermarkt und fahre meinen Mann an lieber ruhig zu sein. All die anderen Kunden hinter uns scheinen eingeschüchtert und lassen uns sowie die Frau vor uns an Kasse 3 auflegen. Die Kassiererin von Kasse 2 ist anscheinend mit einer Schnecke verwandt und braucht ewig, um sich von Kasse 2 zu 3 zu bewegen. Wir tätigen endlich den Einkauf und lassen uns noch ein wenig Zeit bis wir uns zum Supermarktausgang begeben. Irgendwie habe ich doch ein wenig Schiss, dass der Verdrängler-Kunde die Angelegenheit „draußen“ auf andere Art und Weise klären möchte, weil er immer wieder hasserfüllt in unsere Richtung schaut während er Richtung Parkplatz geht. Mein Mann will mich mit den Worten „Ich habe noch vor einigen Jahren Kampfsport gemacht. Ich würde uns schon verteidigen.“ beruhigen. Irgendwie süß. Seine aktive Kampfsportphase ist nun schon 20 Jahre her. Aber gut, ich widerspreche nicht – ich möchte ihm ja nicht das Gefühl nehmen, unser Beschützer zu sein. Ich merke mir zur Sicherheit sein Kennzeichen – man weiß ja nie – und wir fahren mit Kind auf dem Arm die Babyschale und den Einkaufswagen schiebend Richtung Auto und können ohne Zwischenfälle und weiteres Gebrüll das Schwanenkind sowie alle Einkäufe verstauen. Endlich im Auto sitzend schnaufen wir erst einmal tief durch und lachen uns schlapp. Es vergeht kein Tag in unserem Leben, an dem mal nix Beklopptes passiert.

In diesem Sinne: Einen schönen Samstagabend. Es ist schön, hier zu sein …

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4 Gedanken zu „(K)ein Baby-Gebrüll an der Supermarktkasse

  1. clau0185

    Liebe Frau Schwani,
    schön mal wieder von dir zu lesen! Und herzlichen Glückwunsch zum Schwangerschaftstestgeburtstag! Ein magischer Moment, auch für gebrannte Kinder wie uns.😉
    Da warst du aber noch sehr nett, ich habe bei Ikea schon Menschen ganz direkt angeblafft und gefragt, ob sie imaginäre Kinder haben oder warum sie auf dem Familienparkplatz parken. Bin da mittlerweile immer sehr auf Krawall gebürstet. Und die Sache an der Kasse: Da ist sich doch immer jeder selbst der Nächste. Ich lasse immer Leute vor und trotzdem werde ich nie vorgelassen. Und das drängeln ist wohl i, Menschen verankert.😕
    Liebe Grüße und einen schönen Abend

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  2. lucyandjerry

    Alleine samstags einkaufen zu gehen ist ja schon grenzwertig, daher erntest du all meinen Respekt 👍 Das haben wir bisher noch nicht gemacht. 😁 Ich finde es aber genial, dass dein Mann mit der Faust auf den Tisch gehauen hat! Direktes Feedback ist am ehrlichsten 😬

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  3. Marina

    Habe mich gerade im web verlaufen und mache hier Pause 🙂 diese Geschichte haben wir in unterschiedlichen Ausprägungen auch soo oft erlebt… Mir fiel auch mehrfach alles aus dem Gesicht wenn sich wieder jemand vor mich und mein schreiendes Baby gerängelt hat. (Kassenschlangen sind für Eltern vermutlich einfach der ewige Endgegner)
    Und unser liebes Sirenenkind hat nie einen Schnuller angenommen, ich habe alles versucht… Er hätte sich aber gerne noch an der Kasse Stillen lassen … Hehe^^
    Weiter so! Die Leute sollen das merken. Ich schätzte die Erziehungsarbeit die man als Eltern leistet bezieht sich halt nicht ausschließlich aus Kind 😉

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